Randnotiz #4 – Licht im Dunkel

„Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.“ Johannes, Kapitel 1, Vers 5

Wem gehört eigentlich Oberbarmen? In den letzten Wochen dominierten Wahlplakate das Stadtbild. Manche der Sätze waren Versprechen, bei anderen wird sich im Nachgang möglicherweise zeigen, ob es nicht doch nur Versprecher waren.

In einer mMn vorbildhaften Aktion, hat die OASE Oberbarmen in Absprache mit einzelnen Parteien, deren Wahlplakate überklebt. Anstelle der Handynummer von Herrn Lindh oder dem Satz „Sicher-Spiecker“ blicken nun Gesichter aus Oberbarmen die Passanten an. Die 111 Plakate schaffen Identifikation und Individualität. Sie stellen diejenigen in den Mittelpunkt, die zu diesem Stadtteil und in diesen Stadtteil gehören. Die Menschen, um die es eigentlich geht. 111 beispielhafte und doch besondere Einzelschicksale. Und die Menschen, die vorübergehen, müssen sich dazu in irgendeiner Weise verhalten. Zu präsent sind die schwarz-weiß Fotografien. Entweder hinschauen, es ignorieren, nachdenken, mitfühlen, fragen, antworten,…

Und letztlich sind sie ein Licht im Dunkeln. Ein Licht gegen die oft nicht ganz so positive Berichterstattung. Sei es auf Facebook oder den lokalen Medien, in denen manches Mal sogar von „Dunkelbarmen“ die Rede ist.

Und auch wir können dazu beitragen, dass dieses Licht leuchtet. Dass uns nicht die Finsternis erfasst. Auch wenn Die Finsternis übergreift. Ständig, in vielen großen und kleinen Momenten. Aber sie wird das Licht nicht erfassen. Denn so heißt es einen Vers zu Beginn des obigen Zitates: „In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen.“ Joh 1,4
Stellen wir das Leben in den Mittelpunkt unseres Seins und Handelns. Das, worauf es letztlich ankommt und wir können sicher sein, das in jedem Teil von Dunkelbarmen auch „Lichtbarmen“ sein wird.

Randnotiz ist eine lose Folge von Gedanken zu aktuellen Themen rund um Oberbarmen und darüber hinaus. Verfasst vom theologischen Mathematiker Max Moll, künstlerische Leiter des Berliner Plätzchens.

MollTalk mit Oberbürgmeister Mucke

Zwei drei Viertel – die Letzte

Beim letzten Sommerkonzert im Berliner Plätzchen erklangen orchestrale Bläserstücke. Das Blasorchester Oberbarmen unter der Leitung von Martin Langer war zu Gast im Plätzchen und mit seiner vielfältigen Liederauswahl einmal quer durch alle Genres ein gelungener Abschluss der Sommerkonzertreihe. Angefangen beim Choral „Du lässt den Tag o Gott nun zu enden“ wurden auch Lieder wie „Conquest Of Paradise“, eine Polka, ein Walzer von Shostakovic oder der Titelsong des Rosaroten Panthers gespielt.
Bei anschließenden Brezeln konnten sich die rund 20 Gäste über das Gehörte austauschen.

Randnotiz #3 Oberbarmen – Blitz blanke Hoffnungen?

„Es ist doch gut, dass die Mieten steigen, dann müssen diese, entschuldigungr wenn ich das so sage, Asozialen endlich weg. Dann wird das wirklich ein sauberer und schöner Stadtteil“.

Dieses Zitat eines Passanten, das im Rahmen des ersten „Blitz Blank Marathons“ in einem Nebengespräch fiel, entspricht sicherlich nicht der Vorstellung der ISG Oberbarmen – Berliner Straße. Denn diese möchte mit Blick auf die Stichworte „sicher. sauber. lebenswert.“ Oberbarmen „besser“ machen.

Auf der Facebookseite der ISG heißt es zum ersten „Blitz Blank Marathon“, der am 02.07. auf dem Berliner Platz stattfand, „dass wir die Hoffnung nicht aufgeben müssen“. Da stellt sich durchaus die Frage, welche Hoffnungen bereits aufgegeben worden, oder zumindest vor der Aufgabe bedroht sind.

Eine Hoffnung die möglicherweise bedroht zu sein scheint, wird mit Blick auf das obige Zitat deutlich. Die Hoffnung auf zutiefst ehrliche Menschlichkeit. Was heißt in diesem Sinne blitz blank? Glattgebügelt? Individuelle Lebensgeschichten ohne Risse? Wobei doch letztlich durch jedes Leben ein Riss geht, der nicht gekittet werden kann.

Vor einigen Wochen wurde mir zudem mitgeteilt, dass im Stadtteil Investoren nach Altbauten mit gut erhaltener Substanz suchen; diese renovieren und dann mit Preisen weit über den vom Jobcenter übernommenen Kosten der Unterkunft vermieten.

Wird der Stadtteil besser, sauberer, sicherer, lebenswerter, wenn die Mieten steigen und damit Menschen, die auf ALG II oder anderweitige staatliche Mindestsicherungen angewiesen sind, ihren Lebensraum verlassen müssen? Möglicherweise ihre neu gewonnene Heimat nach so vielen Jahren aufgeben müssen…?

Wird der Stadtteil dann blitz blank?

Was bedeutet in diesem Zuge blitz blank? Im Duden heißt es zur Bedeutung des umgangssprachlich gebrauchten Adjektivs, es würde für „sehr sauber, blank“ stehen. Wie sauber, wie blank, soll der Stadtteil auch im übertragenen Sinne sein? Sollen die von manchen als unangenehm empfundenen Gestalten rund um den Berliner Platz verschwinden? Soll dieser Platz und sein Umfeld blank sein? Bleibt dann noch Platz für die Ausgrenzten und sich selbst Ausgrenzenden? Soll gelten „Natürlich haben diese Menschen eine Daseinsberechtigung, aber bitte, ich will diese Menschen nicht sehen“?

Es kann auch zu blank werden. Mancher mag die Redewendung „blank sein“ kennen. Kann einem Stadtteil durch zu viel Sauberkeit, Sicherheit und einer wie auch immer gearteten Lebenswertigkeit, alles an Lebenswert verloren gehen? Kann ein Stadtteil dadurch „blank werden“? Und sind es nicht gerade auch die Ecken, Kanten, das nicht „Blitz Blanke“, das einem Stadtteil Charakter, Charisma und Charme verleiht?

Ja, Oberbarmen braucht Hoffnungen, Wünsche und Träume. Aber diese können wir nur gemeinsam erreichen. Wenn wir jeden Einzelnen ernst nehmen. Mit seinen je eigenen Wünschen, Hoffnungen und Träumen. Mit seinem Charakter, Charisma und Charme und ihn nicht „blitz blank“ machen wollen.

Randnotiz ist eine lose Folge von Gedanken zu aktuellen Themen rund um Oberbarmen und darüber hinaus. Verfasst vom theologischen Mathematiker Max Moll, künstlerische Leiter des Berliner Plätzchens.

 

 

 

Zwei Drei Viertel – Kroatische Folklore – Ankündigung 11.07

Das vorletzte Sommerkonzert. Kroatische Folklore.
3/4 Stunde Musik und Tanz und 3/4 Stunde Speis und Trank.
 
Dienstag, 11.07, 19 Uhr. Berliner Plätzchen.
Eintritt frei, nur der Spendenhut liegt aus 🙂

Zwei Drei Viertel – die Zweite: Portugiesische Klänge

„Es ist mir eine besondere Freude heute Abend, Marcos Pereira und João Martins hier Plätzchen zu begrüßen“, machte Max Moll zu Beginn des zweiten Sommerkonzertes im Berliner Plätzchen gekommen. Marcos Pereira, der vielen der über 50 Zuhörern durch seine drei Jahre im Seelsorgebereich bekannt war, spielte zusammen mit João Martins traditionelle portugiesische Lieder. Dabei erklang nicht nur Fado, sondern auch das ein und andere eher fröhlich geprägte Stück.

Das nächste Sommerkonzert ist am kommenden Dienstag, 20.06, um 19 Uhr, Berliner Straße 173. Es erklingt polnische Folklore Musik von Polskie Kiwaty.

Der Eintritt ist frei.

11.07 wird im Berliner Plätzchen Kroatische Folklore erklingen!

Zwei Drei Viertel – Die erste: Italienische Musik

Rund 50 Personen sind zum Auftakt der diesjährigen Zwei Drei Viertel Sommerkonzertreihe ins Berliner Plätzchen gekommen, um der italienischen Musik zu lauschen. Nachdem im vergangenen Jahr vor allem klassische italienische Lieder erklangen, war es in diesem Jahr ein bunter Mix an bekannten Klassikern und modernen Interpretationen.

Das nächste Sommerkonzert ist am kommenden Dienstag, 13.06, um 19 Uhr. Marcos Pereira und João Martins singen Lieder aus Portugal.
Der Eintritt ist frei.

Musikialisch-Kulinarischer Genuss im Berliner Plätzchen

Mit Musik aus Italien wird am kommenden Dienstag, 06.06, 19 Uhr, die Sommerkonzertreihe „2 3/4“ eröffnet. Die Missione Cattolica Italiana singt mit und für uns eine Dreiviertelstunde lang italienische Lieder. Im Anschluss kann man sich und anderen bei landestypischen Spezialitäten begegnen.

Dieser Dialog aus Musik und Begegnung bei Speis und Trank bildet auch den Rahmen für die weiteren Konzerte an Dienstagabenden im Berliner Plätzchen (Berliner Straße 173)
Am 13.06 werden Marcos Pereira und João Martins Musik aus Portugal zum Besten geben. Dabei wird nicht nur Fado erklingen. Es folgt am 20.06 Polnische Folklore und am 04.07 Musik des eigens für diese Sommerkonzerte gegründeten kfd-Projektchors.
Etwas lauter wird es am 18.07 wenn das Oberbarmer Blasorchester entsprechende orchestrale Blasmusik aufführt.

Kurz und kompakt.
An Dienstagabenden um 19 Uhr.  Musik und Speis und Trank.
Der Eintritt ist immer frei. Ein Spendenhut liegt aus.
Es lohnt sich!

Kostenfreies Angebot

Ihr habt eine Idee? Wir den Raum.
Im Rahmen des Projektes Berliner Plätzchen in einem ehemaligen Ladenlokal an der Berliner Straße, gibt es aktuell Montag, Dienstag und Freitag vormittags zwischen 10 und 14 Uhr die Möglichkeit, kostenfrei dieses Lokal zu nutzen. Und nein, es gibt keinen Haken.

Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt: Hilfegruppen, Coworking, Familiencafé, Reperaturcafé, Bastelgruppe, Strickgruppe,…
Wichtig ist dabei, dass euer Angebot in irgendeiner Weise dem Wohl der Gesellschaft dient.
Falls ihr Interesse habt, meldet bei Max Moll: hallo@maxmoll.
Vielleicht gibt es ja auch Gruppen, die aktuell einen Raum suchen.

Randnotiz #2 – Worauf warten wir?

Estragon: Komm, wir gehen!
Wladimir: Wir können nicht.
Estragon: Warum nicht?
Wladimir: Wir warten auf Godot.
Estragon: Ah!

Am gestrigen Donnerstag waren wir mit den Firmlingen unserer Gemeinden in der Synagoge bei unseren „älteren Geschwistern“, wie Papst Johannes Paul II. die Juden einmal bezeichnete. Während wir nun zeitlich vor dem eigentlichen Besuch der Synagoge auf dem Platz gegenüber von Müller in Barmen standen, warteten wir. Wir warteten auf Personen, die nicht zum vereinbarten Zeitpunkt da waren. Und während wir warteten, versuchten die Personen die Zeit zu vertreiben. Mit Fragen wie „Wie viele Schuhpaare hast du eigentlich“ oder „Musik hören“, oder anderen mehr oder wenig belangvollen bzw. belanglosen Dingen.

Szenenwechsel. Theater am Engelsgarten. Fast alle Plätze sind besetzt. Das Stück beginnt mit etwas Verspätung. Wieder warten. Im Laufe des Abends nötigt es die Zuschauer, mehr als Zuschauende zu sein, sondern unmittelbar Beteiligte zu werden. Die Zuschauer sollen mitfühlen, mitwarten, miterleben. Sie sollen die Belanglosigkeit des Wartens in seiner vollen Härte, aber auch in den faszinierenden Nuancen seiner Einfachheit durchleben. Warten heißt dabei auch aushalten. Die Situationen, die Didi und Gogo (wie Wladimir und Estragon sich in des von Volker Schmalöer inszenierten Klassikers gegenseitig nennen) erleben und miteinander teilen, verbleiben nicht am Bühnenrand. Sie greifen über, sie sind übergriffig, bis hoch in die obersten Reihen des Theaters. Sie werden über den Bühnenrand hinweg geteilt.

Zurück zur Synaoge. Leonid Goldberg, Vorstandsvorsitzender der jüdischen Kultusgemeinde, erklärt den Jugendlichen Symbole und Eigenheiten der Synagoge und des jüdischen Glaubens. Es fällt schwer, ihm nicht zu folgen. Auch weil er immer wieder Fragen stellt, die teils mit einer ordentlichen Portion Kritik vermengt sind. Irgendwann stellt jemand die Frage, was denn das persönliche Glaubensziel von Herrn Goldberg sei. Er kommt ins Stocken und gibt dann einer aus meiner Sicht eher unbefriedigende Antwort. Worauf wartet Herr Goldberg letztlich? Was erwartet er? Was darf er hoffen? Was will er hoffen?

Didi und Gogo warten auf Godot, der nicht kommt, nicht kommen kann oder nicht kommen mag. Man weiß es nicht. Stattdessen kommen Pozzo und Lucky. Und spätestens jetzt geht die Darstellung über ein Schauspiel hinaus. Sie macht betroffen. Sie trifft dich und mich. Pozzo und Lucky, ein Herr und sein Knecht, sind gegenseitig aufeinander angewiesen. Lucky wird wie ein „Schwein“ behandelt und von seinem Herrn an einer Leine herumgeführt, bzw. Pozzo wird von Lucky geführt. Lucky wird geschlagen, missbraucht, vorgeführt, letztlich wird sein Wille vergewaltigt. Und während Didi und Gogo anfangs noch auf der Seite von Lucky waren, verschwimmen die Grenzen von Schwarz und Weiß, von Gut und Böse.

Pause. Goldberg beantwortet noch einige Fragen, und endet dann. Er scheint, zufrieden zu sein. Mit sich selbst, mit den anderen, mit dem Tag. Und doch bleibt die Frage im Raum. Wofür leben wir eigentlich? Was erwarten wir? Die Firmlinge gehen nach Hause. Das Leben geht mit?

Die Pause endet. Und die Plätze im Theater sind leerer. In Reihe 9 sind mehr als die Hälfte der Plätze leer geblieben, in anderen Reihen fehlen vereinzelte Personen. Warten heißt auch aushalten. Können wir in dieser Zeit nicht mehr aushalten? Können wir in dieser Zeit die Kälte und Härte der Wirklichkeit nicht ertragen? Konnte oder wollte der oder die ein oder andere möglicherweise nicht mehr miterleben, wie mit Lucky umgegangen wird? Was wenn Angst darin bestand, sich letztlich mit allen Rollen, auch mit der des Pozzo, zu identifizieren?
Im zweiten Teil des doppelten Einakters von Samuel Beckett kehren Pozzo und Lucky nochmal zurück und können sich nicht an Didi und Gogo erinnern. Pozzo ist nun blind und Lucky stumm. Könnte man Pozzo mit der Gesellschaft identifizieren und und ist diese Gesellschaft blind geworden, für das was die Menschen bewegt? Selbst wenn sie ihnen begegnet? Und sind wir stumm geworden? Erheben wir nicht mehr unsere Stimme? Und gehen stattdessen, wenn es wirklich ernst wird?
Wladimir: Also wir gehen?
Estragon: Gehen wir!
Sie gehen nicht von der Stelle

Worauf warten wir?

Randnotiz ist eine lose Folge von Gedanken zu aktuellen Themen rund um Oberbarmen und darüber hinaus. Verfasst vom theologischen Mathematiker Max Moll, Leiter des Berliner Plätzchens.