Randnotiz #5 – Ein radikales Warum – Die Wurzeln unseres Seins.

Mittlerweile hat man sich fast schon dran gewöhnt. Die fehlenden 42 Robinien entlang der B7. Besonders im Bereich der Berliner Straße zwischen Wichlinghauser Straße und Schwarzbach haben baumbesorgte Bürger Sorge gehabt, dass ein radikaler Kahlschlag sichtbar werden würde.
Wer die ein oder andere Diskussion bei Facebook mitverfolgt hat, konnte dabei auch feststellen, dass mancher Baumsorgender gleichzeitig auch Stadtplaner und Förster ist. Da wurden Gründe für die Fällung der Bäume angebracht, die zumindest auf dem ersten (und auch auf dem zweiten Blick) mindestens seltsam anmuteten. Unter anderem würden anstelle der Bäume nun Parkplätze entstehen (mitten auf dem Fußgängerweg). Und manch einer meint sogar, diese Parkplätze würden dazu dienen, dass „kriminelle Südeuropäer nun besser an unsere Kinder drankommen“ Ich kann so eine Meinung nicht teilen…

Diese Aussagen deuten eine gewisse Radikalität des Denkens an. Zumindest lässt sich in Ansätzen eine solche Radikalität rekonstruieren. Hier werden Gründe gesucht, um die zugegebenermaßen traurige Handlung des Baumfällens in verdrehter Art und Weise zu rechtfertigen. Wobei, warum müssen wir überhaupt Gründe für die Baumfällung anführen?

Sollten wir nicht vielmehr versuchen Menschen dafür zu begeistern, in „einer armen Stadt“ (OB Mucke 2017) entlang der B7 Bäume zu pflanzen? Gründe dafür zu suchen, warum wir uns engagieren sollten? Wir können ewig und drei Tage darüber sprechen, warum die Wuppertalbewegung die Trasse ausbauen will. Tatsächlich gibt es auch in diesem Zusammenhang Menschen, die fragen: „wäre das Geld nicht besser anderswo investiert?“ Und ich frage mich dann… Warum engagieren sich diese Menschen nicht für diese oder jene Sache? Gründen einen Verein? Investieren die Zeit? Suchen Menschen zusammen? Beantragen Fördergelder? …

Radikal meint aber auch etwas Anderes. Es geht um die Wurzel (lat. Radix Wurzel), und das Warum. Darum was uns verwurzelt und in die tiefsten Tiefen unseres Seins hineinreicht. Uns prägt und aufbaut. Der Grund unsers Seins und Handelns. In Mt 13,21 heißt es: „er hat aber keine Wurzeln, sondern ist unbeständig; sobald er um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt wird, kommt er sofort zu Fall.“ Wir brauchen daher unbedingt Wurzeln. Und vielleicht fehlt auch genau das in Oberbarmen. Verwurzelung, Beständigkeit, Überzeugung. Wer von einer Sache überzeugt ist, wer aus einem „Warum“ sich für eine Sache engagiert, der kommt auch dazu, wie und was man für diese Sache alles machen kann.
Vielleicht ist uns auch das Warum verloren gegangen.


Randnotiz ist eine lose Folge von Gedanken zu aktuellen Themen rund um Oberbarmen und darüber hinaus. Verfasst vom theologischen Mathematiker Max Moll, künstlerische Leiter des Berliner Plätzchens.

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