Randnotiz #3 Oberbarmen – Blitz blanke Hoffnungen?

„Es ist doch gut, dass die Mieten steigen, dann müssen diese, entschuldigungr wenn ich das so sage, Asozialen endlich weg. Dann wird das wirklich ein sauberer und schöner Stadtteil“.

Dieses Zitat eines Passanten, das im Rahmen des ersten „Blitz Blank Marathons“ in einem Nebengespräch fiel, entspricht sicherlich nicht der Vorstellung der ISG Oberbarmen – Berliner Straße. Denn diese möchte mit Blick auf die Stichworte „sicher. sauber. lebenswert.“ Oberbarmen „besser“ machen.

Auf der Facebookseite der ISG heißt es zum ersten „Blitz Blank Marathon“, der am 02.07. auf dem Berliner Platz stattfand, „dass wir die Hoffnung nicht aufgeben müssen“. Da stellt sich durchaus die Frage, welche Hoffnungen bereits aufgegeben worden, oder zumindest vor der Aufgabe bedroht sind.

Eine Hoffnung die möglicherweise bedroht zu sein scheint, wird mit Blick auf das obige Zitat deutlich. Die Hoffnung auf zutiefst ehrliche Menschlichkeit. Was heißt in diesem Sinne blitz blank? Glattgebügelt? Individuelle Lebensgeschichten ohne Risse? Wobei doch letztlich durch jedes Leben ein Riss geht, der nicht gekittet werden kann.

Vor einigen Wochen wurde mir zudem mitgeteilt, dass im Stadtteil Investoren nach Altbauten mit gut erhaltener Substanz suchen; diese renovieren und dann mit Preisen weit über den vom Jobcenter übernommenen Kosten der Unterkunft vermieten.

Wird der Stadtteil besser, sauberer, sicherer, lebenswerter, wenn die Mieten steigen und damit Menschen, die auf ALG II oder anderweitige staatliche Mindestsicherungen angewiesen sind, ihren Lebensraum verlassen müssen? Möglicherweise ihre neu gewonnene Heimat nach so vielen Jahren aufgeben müssen…?

Wird der Stadtteil dann blitz blank?

Was bedeutet in diesem Zuge blitz blank? Im Duden heißt es zur Bedeutung des umgangssprachlich gebrauchten Adjektivs, es würde für „sehr sauber, blank“ stehen. Wie sauber, wie blank, soll der Stadtteil auch im übertragenen Sinne sein? Sollen die von manchen als unangenehm empfundenen Gestalten rund um den Berliner Platz verschwinden? Soll dieser Platz und sein Umfeld blank sein? Bleibt dann noch Platz für die Ausgrenzten und sich selbst Ausgrenzenden? Soll gelten „Natürlich haben diese Menschen eine Daseinsberechtigung, aber bitte, ich will diese Menschen nicht sehen“?

Es kann auch zu blank werden. Mancher mag die Redewendung „blank sein“ kennen. Kann einem Stadtteil durch zu viel Sauberkeit, Sicherheit und einer wie auch immer gearteten Lebenswertigkeit, alles an Lebenswert verloren gehen? Kann ein Stadtteil dadurch „blank werden“? Und sind es nicht gerade auch die Ecken, Kanten, das nicht „Blitz Blanke“, das einem Stadtteil Charakter, Charisma und Charme verleiht?

Ja, Oberbarmen braucht Hoffnungen, Wünsche und Träume. Aber diese können wir nur gemeinsam erreichen. Wenn wir jeden Einzelnen ernst nehmen. Mit seinen je eigenen Wünschen, Hoffnungen und Träumen. Mit seinem Charakter, Charisma und Charme und ihn nicht „blitz blank“ machen wollen.

Randnotiz ist eine lose Folge von Gedanken zu aktuellen Themen rund um Oberbarmen und darüber hinaus. Verfasst vom theologischen Mathematiker Max Moll, künstlerische Leiter des Berliner Plätzchens.

 

 

 

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